Wenn ein Diktator-Sohn nach Europa kommt, kann es vorkommen, dass er sich – trotz der nach Recht und Ordnung stinkenden Luft – nicht dementsprechend benehmen will. Wenn ein Diktator-Sohn nach Europa kommt, kann es eben auch vorkommen, dass er und sein Gefolge seine Angestellten auch nicht anders behandeln als zuhause. Und wenn er nun in Europa ist, kommt es vor, dass zwei dieser “Diener” auf den Schutz des hochgelobten Rechtsstaates hoffen.
Doch kommt ein Diktator-Sohn in Haft, muss man auch mit dem Zorn des Papas im Osten rechnen. So gibt es viel Tam Tam zuhause und in Europa, und man denkt an die Exporte und Importe, wundert sich, warum der Ölhahn abgedreht wird und erschrickt, wenn dann zwei Schweizer fern der Heimat festgehalten werden.
Dann hofft man auf ein Wunder, auf Gott oder Allah, eine internationale Ablenkung, oder zur Not auf das diplomatische Talent des Bundespräsidenten.
Und weil nicht Jänner, Februar sondern Merz gen Osten reist, hofft man ganz besonders auf ein Wunder, das sich als in eine nationale Enttäuschung verwandelt. Denn, wenn ein Schweizer Bundesrat verreist, kann es vokommen, dass er mehr ökonomische als patriotische Accessoires im Gepäck hat. Der Ton macht die Musik. Die Wortwahl die Schlagzeile. Und so lautet die Headline Anklage und der Leadsatz Unverständnis.
Sie wollten ein Bedauern, er warf ihnen eine Entschuldigung vor. Und das große Fressen wurde zur verbalen Fleischhackerei, die als medialer Sandsturm nach Westen zieht.
“Skurril” hört man aus vielen europäischen Ecken – wie hätte ein Herr Fischer oder Köhler reagiert? Hätte er geschwiegen? Hätte er sich entschuldigt?
Manch Tageszeitung wäre wohl schweigend besser beraten:
Die Tageszeitung Die Presse schreibt, dass die Gadaffi-Angestellten von der Polizei aus einer “ungemütlichen Situation” geholt worden seien. Würde ich mit heißen Wasser übergossen werden, und mit einem Kleiderbügel geschlagen, wäre das durchaus “ungemütlich” für mich. Und auf der anderen Seite die desavouierten Schweizer, Simon Spengler und Beate Michel
Blick.ch :
Was erlaubt sich Gaddafi! Glaubt dieser Wüsten-Diktator, er könne mit der Schweiz machen, was er will? Provoziert eine Krise, weil die Genfer Polizei seinen Prügel-Sohn verhaften liess!
Eine Krise bahnt sich an. Doch al-Gadaffi weiß die Lösung: Die Schweiz auflösen und das Land auf die Nachbarländer aufteilen! Klingt im ersten Moment etwas plakativ, aber vielleicht ist es einen zweiten Gedanken wert. Liechtenstein würde sich freuen – Österreich sicherlich auch!
Die zwei Schweizer sitzen jedenfalls immer noch hinter libyschen Grenzen und sollen nun sogar hinter libyschen Gardinen Platz nehmen – offiziell aufgrund eines Verstoßes gegen das Visa-Abkommen. Merz schämt sich womöglich zu Tode und die Opposition reibt sich die Hände. Gerüchten zufolge sollten die Ricola-Erfinder jetzt sogar 100.000 Dollar für die Freilassung zahlen.
Vielleicht hören die Schweizer jetzt, was sie hören wollen: Ein “Ich bedaure es, mich entschuldigt zu haben”. Vielleicht sollten sie aber selbst im lybischen Gefängnis sitzen und auf den alles andere als sturen Diplomaten hoffen…
Wenn ein Diktator-Sohn nach Europa kommt, kann es vorkommen, dass er sich – trotz der nach Recht und Ordnung stinkenden Luft nicht dementsprechend benehmen will. Aber keine Sorge: Künfig wird er das auch nicht müssen!

Die liebe Politik? Was ist an dieser Geschichte künstlich und was nicht? Schwierige Frage …