Michael Thurm regt sich auf, weil sich Thomas Knapp freut, und weil ich nicht so lange Kommentare schreiben (und lesen) will, blogge ich eben darüber…
Überraschend, aber doch stimmten die Schweizer beim Referendum für ein Minarett-Verbot im eigenen Lande.
Bei Ergebnissen wie diesem in der Schweiz kann ich weder Roger Köppel und der „Weisheit der Demokratie“ (ZiB2) zustimmen, noch einem Christian Rainer und seiner Theorie: Die Demokratie wäre mit ihren eigenen Waffen geschlagen worden.
Warum zweifelt man hier an der Demokratie, sieht sie sogar „ausgehebelt“ (Rainer)? Nur, weil man als Chefredakteur anderer Meinung ist? Ist die Demokratie dazu da, die Menschen das wählen zu lassen, was man selber denkt?
Ich habe kein Problem damit „unsere“ Form der Demokratie anzuzweifeln und zu kritisieren, nur diese Debatte gibt wirklich keinerlei Anlass dazu.
Ja, es gibt viele Menschen, die sich durch Minarette in ihrer Tradition oder ihrem Glauben gestört fühlen. Sei es jetzt durch Unwissenheit oder politischer Manipulation oder beidem. Ich teile nicht ihre Meinung, aber ich verstehe wie es dazu kommt.
Das passiert, wenn Parteien sich auf das Niveau eines türkischen Ministerpräsidenten hinunterlassen (SVP Kanton Solothurn) und mit einem seiner Zitate gegen Minarette argumentieren
”Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten“.
…oder andere mit dem Argument kommen, solange man in muslimischen Ländern nicht die gleichen Rechte als Christ habe, solange würden Moslems diese Rechte auch nicht bei uns bekommen.
Ich werde hier sicherlich nicht die Minarett-Gegner verteidigen, da mich eine, alle 15 Minuten laut bimmelnde, Kirchenglocke mehr stört, als ein Gebäude, das etwas Vielfalt in unsere fade Architekturlandschaft bringt. Klar, das Minarett ist ein Symbol, genau wie das Kreuz in den Klassen. Ob die Schweizer nun gegen die Bauten oder gegen den Islam gestimmt haben ist allerdings die Aufgabe von Meinungsforschern. Fakt ist, die Schweizer wollen sie nicht.
Und es geht hier ja gar nicht um die Schweizer. Den Ösis geht es ja viel mehr um sich selbst, weil Sie und ich, Herrn Rainer, sind uns in einem einig: „Warum die Aufregung über die Schweiz? Österreich ist schlimmer.„


